Joachim Gauck: Ein Präsident von Gottes Gnaden?

Keine Macht den Doofen!

Joachim Gauck: Ein Präsident von Gottes Gnaden?

 

Gaucks erste Rede als Bundespräsident war besser als die meisten Reden seiner Vorgänger – und man hätte sie fast schon als „gut“ bezeichnen können, hätte er am Schluss auf das abgeschmackte Zitieren eines „göttlichen Willens“ verzichtet: „Gott und den Menschen sei Dank: Dieses Erbe dürfen sie erwarten.“

Heiligs Röckle! Wer sich zur Bekräftigung seines Standpunkts auf solch zweifelhafte Größen beruft, dem kann man schwerlich vertrauen. Entweder mangelt es ihm an intellektueller Schärfe oder aber er verwendet solche Formeln in rhetorisch-demagogischer Absicht. Beides passt nicht zu einem führenden Repräsentanten des modernen Rechtsstaats im 21. Jahrhundert.

Ich fürchte daher, mit meiner Prognose Recht zu behalten: Gaucks Freiheitsrhetorik wird gerade im Bereich der negativen Religionsfreiheit blinde Flecken aufweisen. Die Interessen des konfessionsfreien Drittels der Bevölkerung (etwa im Arbeitsrecht) wird er, der sich schon bei „ProReli“ auf die Seite der Kirchen schlug und nun mit David Gill ausgerechnet ein EKD-Ratsmitglied zum Chef des Bundespräsidialamtes machte, kaum vertreten.

Doch ich will den Tag nicht vor dem Abend verreißen: Joachim Gauck hat es in der Hand, meine Hypothese in den nächsten Monaten gründlich zu widerlegen. Es würde mich freuen, wenn er sich trotz aller Unkenrufe als würdiger Repräsentant des säkularen Staates erweisen würde – als ein Präsident, der weiß, dass es politisch unklug, ja: geschmacklos ist, sich auf „Gott“ zu berufen in einem Land, in dem es mehr Konfessionsfreie als Katholiken oder Protestanten gibt.

 


 
  1. Ingrid Reissland 12.06.2016, 09:00

    Wie viel tausend Jahre wollen wir denn noch warten, bis dieser Schwachsinn Religion endlich ausgelebt ist.
    Grundsätzlich und ein für allemal, in der Politik muss als erstes getrennt werden zwischen Kirche und Staat. Somit hat in keiner Schule irgendein religiöser Unterricht stattzufinden. Da haben keine Kreuze zu hängen und keine anderen religiösen Utensilien.
    Was Menschen bei sich zu Hause tun entscheiden sie selbst, aber in der Schule darf kein Einfluss einer Religion
    auf Kinder ausgeübt werden.
    Dafür sollten wir viel öfter auf die Barrikaden gehen, denn es ist eine Unverschämtheit was da im 21. Jahrhundert immer noch passiert.
    Nun wird ja auch noch islamischer Unterricht in der Schule gestattet.
    Es ist einfach nur grausam.
    Aber mit Religion kann man ja so schön das Volk gefügig machen und psychologisch beeinflussen und dumm halten . Na dann viel Spaß die nächsten tausend Jahre.

    Nur noch ein kluger Spruch von Herrn Schmidt Salomon:
    Religion ist der Sieg des Glaubens, über den Verstand des Menschen.

  2. lizza 21.06.2013, 13:52

    Gott hat für mich etwas mit Patriarchen zu tun. Vor etwa 11000 Jahren ist nach meiner Einfühlung die Welt von ihnen neu erfunden worden, als sie herausfanden, dass Männer auch zur Zeugung der Kinder beitragen.
    Oh wie grandios! Frauen gebären also nicht die Toten wieder, sondern werden nur durch Sperma schöpferisch. Also ist dieses der Motor des Lebens. Demgemäß ist das Verhältnis Mann und Frau neu zu definieren und weibliche Gottheiten abzulehnen.
    Das Sperma löst den „Urknall“ aus. Also müssen Männer sich viel mehr als bisher in Szene setzen.
    Gott ist also patriarchalisch. Damit meinten sich damals diese narzisstischen Männer selbst.
    Und deshalb: Wehe, die Frauen sind uns gleichberechtigt, dann sind sie uns überlegen. Deshalb haben Frauen in Religionen besonders nur noch untergeordnete Rollen.

  3. Rudi Rüssel 12.10.2012, 15:48

    Bißchen belanglos dieser Blog-Eintrag.

    Sie haben also festgestellt, dass ein ehemaliger Pfarrer, der nun Bundespräsident ist, in einer Rede Gott erwähnt hat. Toll! Sehr aufmerksam. Ich hoffe sehr das hat Sie nicht allzu sehr erstaunt und erschreckt.

  4. Micha(el Winkler, Dresden) 27.08.2012, 19:50

    Hmm, den Herrn Gill kennt er sicher schon aus seiner „Stasijäger“-Zeit. Dass dieser nun auch nohc im EKD ist .. naja, göttlicher Wille oder „Zufall“ eben 😉
    Ansonsten würde mich mal interessieren, ob Frau Merkel den Herrn Gauck eigentlich nicht wollte, weil der auch wie ihr Vater Pfarrer war/ist … so ’ne Art weiblicher „Ödipus-Komplex“?? 🙂

  5. Manfred Michael Schwirske 01.04.2012, 16:10

    Der wahrscheinlich letzte Präsident der demokratischen Nachriegszeit und der wahrscheinlich erste der feudalen. Wie passend: ein Pfaffe.

  6. E. Duschl 28.03.2012, 19:12

    von wegen Liberale Sterbehilfe!
    gerade wenn das Leiden am
    Größten ist, können wir die
    Höllenqualen drastisch machen
    – und die meisten Erbschaften
    zu Ehren des Herrn einfahren.
    Diese gute Rendite unserer
    Geschäftsidee geben wir doch
    nicht auf! Unsere Hospize sind
    bestens gefüllt.

  7. P. Rösler 26.03.2012, 18:02

    Zu dieser Thematik tun sich mir folgende Fragen auf.
    Wann endlich wird die Trennung von Staat und Kirche vollzogen? Wann endlich wird Artikel 4 des Grundgesetzes durchgesetzt? Wann endlich hört die Diskriminierung und Ächtung der Andersdenkenden, der Andersgläubigen durch die Kirche auf? Wer humanistische Weltanschauungen, gleich welcher Coleur nicht als gleichberechtigt ansieht, ist selbst zutiefst inhuman.

  8. Raika Gollwitzer 26.03.2012, 17:01

    Ach, das ist doch Erbsenzählerei! Was anderes wäre es gewesen, hätte er gesagt: ‚Mit Hilfe unseres Herrn Jesus (….), der ,,, … usw. .
    Auch bei religiös nicht so engagierten Personen wird ja oft genug ‚Gott‘ erwähnt. Das Wort ist ja nicht von vornherein obszön, sondern steht nur für sehr viele Worte: ‚Ich werde mich mit äußerster Kraft bemühen, und wenn mich das Pech nicht verfolgt wird es schon klappen.

    Ich will einen Witz erzählen: Klein Fritzvhen geht mit der (Kloster)Schwester im Park spazieren. Da saust ein Eichhörnchen über den Weg. Fragt die Schwester: Weißt Du was das eben war, Fritzchen? Der Kleine denk kurz nach: Also, eigentlich würde ich ja sagen, das war ein Eichhörnchen. Aber wie ich den Laden hier kenne, war das sicher wieder das liebe Jesulein.

    Ich habe das Gefühl, dass hier sehr (zu) oft fast hysterisch reagiert wird, wenn irgendwo die Vokabel ‚Gott‘ irgendwo auftaucht. Das Wort steht für so viel und bestimmt nicht für einen immanenten Aberglauben.

    Aus christlicher Sicht bin auch ich ein Heide. Aber man kann auch anderen nicht verbieten, kein Heide zu sein.
    Aberglauben kann man nur durch Wissen entlarven; dabei ist Erziehung von Klein auf nötig. Das werden die diesbezüglichen Eltern (dier immer mehr werden) ja schon selbst bewusst in die Hand nehmen.

    Aber – Religion bekämpfen ist in meinen Augen ebenso unklug wie unnatürlich. Gerade die Evelution lehrt uns, wie wichtig die religiöse Rolle war. Menschen haben eine entsprechende genetische ‚Schwachstelle‘ dafür. Alles braucht seine Zeit. in Jahrtausenden Gewachsenes kann man nicht mit Hau Rock ausmerzen.
    Wichtig ist doch, dass sich die, die inzwischen anders denken und verstehen, sich untereinander verbinden – eben zu einer Gemeinde – sich austauschen können und neue Verbindungen eingehen. Aber doch nicht Hau Ruck und sich aufregen, wenn ein Bundespräsident von Gottes Willen spricht. Das ist hysterische Erbsenzählerei. Sind wir denn so kleinkariert?

    Ps Neulich hatte ich ein Liederbuch für Jugendgruppen in der Hand. Nahezu jedes mehrstrophge Lied sagte aus: Ich weiß, dass ich im Leben ohne Jesus nichts kann. Ohne Jesus werde ich nie etwas erreichen. Ohne Jesus bin ich Nicht. Ein NICHTTS.

    Gegen sowas sollte man sich aufregen.

    Oder zum Beipiel die diesjährige Jahreslosung der ev. Kirche.=
    Jesus sagt: (in etwa) Ich bin in den Schwachen stark.

    Das hat aber Jesus überhaupt NIE gesagt. Die enhtsprechende Stelle aus dem Römerbrief (die übrigens sehr schwierig ist)wurde unvollständig wiedergegeben. Es ist ein ‚Gesicht‘ oder eine Hallunization Paulus‘. Vorher steht noch ein anderer Satz: ‚Lass Dir an meiner Gnade genügen. (…)

    Diese Verbreitung immer wieder aus dem Zusammenhang gerissener misbrauchter Bibelzitate sollte man schon mal abräumen. Das wäre mal ein Schritt in die richtige Richtung.

  9. Nagy 26.03.2012, 15:29

    Religion hat in der Politik nichts zu suchen.

  10. Stefan Räbiger 26.03.2012, 13:08

    Jetzt werden wir vergauckelt! Wir sind ein Volk und die Politiker sind ein anderes!

 

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